Interview mit Mina vom Stadtbauernhof

Über 100 Mitglieder engagieren sich für den Stadtbauernhof Saarbrücken. Das sind über 100 verschiedene Persönlichkeiten, unterschieldliche Motivationen und tausende von Ideen. In unserer Interviewreihe möchten wir euch einige der Menschen vorstellen, die sich auf ihre eigene Art für den Stadtbauernhof engagieren und zeigen, wie vielfältig dieses Engagement ist.

Heute treffe ich Mina, eine der neuen Koordinatorinnen der Bildungsarbeit am Stadtbauernhof. Wir unterhalten uns in ihrer Küche.

Mina, stell dich doch kurz vor…
Ich bin 35 Jahre alt und Mutter zweier Kinder. Ich bin Naturpädagogin nach verschiedenen Ausbildungen in Montessori- und Waldorfpädagogik, habe 6 Jahre lang in Kenia gelebt und dort eine Schule aufgebaut und geleitet. Währenddessen habe ich in Schweden „Soziales Unternehmertum“ studiert, das hier in Deutschland leider nicht anerkannt wird. Daher arbeite ich nun als selbstständige Naturpädagogin mit Kindern. Außerdem biete ich im Rahmen der Zero-Waste Bewegung Workshops zur Herstellung von Kosmetik, Cremes, Putzmittel und Haushaltsprodukte an.

Wie lange bist du schon beim Stadtbauernhof dabei?
4 1/2 Jahre.

Wie hast du damals vom Bauernhof erfahren?
Eine Nachbarin, die bei der Gründung involviert war erzählte ir davon. Ich war beruflich im Unbruch und habe Jörg angerufen. Bei einem Treffen mit Jörg und Imka ahben mir die beiden einen Job als Erntehelferin angeboten. Da habe ich gesagt „klar“, denn in der Landwirtschaft wollte ich schon immer mal arbeiten. Wir haben dann vereinbart, dass ich anfangen kann, sobald es losgeht.

Wie lange hast du als Erntehelferin gearbeitet?
Knapp 3 1/2 Jahre habe ich als Erntehelferin gearbeitet. Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Bei jedem Wetter.
Genau, bei jedem Wetter.

Nebenbei hast du ja auch „Kids in Gummistiefeln“ aufgebaut.
Ja, das hat zeitgleich mit der Eröffnung des Stadtbauernhofs bzw. der Landwirtschaft begonnen. Ich biete dort wöchentliche Kurse an, zunächst waren es zwei, momentan einer. Dann kamen Kindergeburtstage dazu und mittlerweile läuft das ganz gut.

„Kids in Gummistiefeln“ machst du immer noch, mit der Landwirtschaft hast du aufgehört. Wieso?
Ich habe im März diesen Jahres aufgehört, nachdem ich mir bei einem Unfall den Zeh gebrochen habe. Währen dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich mehr auf die Bildungsarbeit konzentrieren möchte.

Welche Themen bietest du in deiner Bildungsarbeit an?
Neben „Kids in Gummistiefeln“, sind das Workshops in denen wir Dinge aus Wildkräutern herstellen. Und Hofrundgänge.

Seit kurzem bist du auch Koordinatorin der Bildungsgruppe.
In der Bildungsgruppe habe ich mich ja schon zuvor eingebracht wenn es zeitlich ging. Nun habe ich mehr Zeit. Zusätzlich habe ich mich über den Sommer als Bildungsreferentin im Rahmen des Programms „Bildung trifft Entwicklung“ vom Engagement Global des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) weitergebildet. Darüber kann ich Bildungsprojekte anbieten und die Dinge die ich auf dem Stadtbauernhof zu Anbau von Lebensmitteln und zu gesunder Ernährung gelernt habe mit globalen Perspektiven verknüpfen und weitergeben.

Was gefällt dir besonders an deinen Aufgaben?
Ich bemerke, dass immer mehr Kinder wenig Bezug zu Natur und Nahrungsmitteln haben. Auf dem Stadtbauernhof erfahren wir mehr als das was dort wächst. Wir erleben zum Beispiel den Wechsel der Jahreszeiten draußen und bei jedem Wetter. Wir arbeiten mit unseren Sinnen und den fünf Elementen. Mir gefällt, dass, wenn wir draußen und die Kinder angekommen sind, dann legt sich wie ein Schalter um. Die Kinder fühlen sich wohl und können so sein wie sie sind. Sie können sich entfalten, ihre Neugierde wird geweckt und die Fragen sprudeln wieder aus ihnen selbst heraus.

Ich finde es schön, dass sich die Kinder in der Natur so bewegen können wie sie es für ihre Entwicklung brauchen. Etwas, dass meiner Meinung nach in den Kindergärten sehr reglementiert ist. Also eine freie und offene Art der körperlichen Bewegung, die auch für die geistige Gesundheit förderlich ist.

Was mich sehr inspiriert wenn ich mit Erwachsenen ist der Umgang mit und Einsatz von Wildkräutern. Schon als Kind hat mir meine Mama das beigebracht und mittlerweile habe ich viel über die Wirkstoffe erfahren und wie man sie einsetzt. Wenn ich in der Natur überleben müsste würde ich nicht verhungern.

Was ist das Interesse der Menschen – also der Erwachsenen – die zu dir kommen um so einen Workshop zu besuchen?
Die Teilnehmenden möchten wieder mehr Verbundenheit zur Natur. Die Leute sitzen viel und arbeiten viel Drinnen. Ich mag es wenn ich das Interesse der Teilnehmenden wecken kann wenn ich zum Beispiel etwas zur Geschichte und Mythologie einer Pflanze erzähle. Wie unsere Vorfahren die Kelten mit einer Pflanze umgegangen sind und wie sie sie genutzt haben und auch wie wir sie heute im Alltag einsetzen können. Für viele Wildkräuter muss man ja nicht extra zum Stadtbauernhof kommen, sie wachsen auch am Wegesrand wo man spazieren geht. Es freut ich immer sehr das weitergeben zu können.

Was gefällt dir garnicht an deiner Aufgabe?
Die Buchhaltung.

Wie stellst du dir den perfekten Stadtbauernhof vor?
Also Jörg sagt ja immer, dass der Stadtbauernhof eine Plattform ist für verschiedene Projekte, die nebeneinander dort agieren. Es gab ja schon viele Ideen von vielen Leuten, aber ich bin mit „Kids in Gummistiefeln“ und den Workshops die einzige, die auch dort geblieben ist. Ich fände es schön, wenn es noch mehr solche Projekte gäbe. Von verschiedenen Menschen, die alle ein Ziel verfolgen aber wo jeder seinen eigenen Interessen, Fähigkeiten oder Gaben folgt. Dass so etwas neben der Landwirtschaft umgesetzt wird.

Noch eine Frage bevor wir fertig sind Mina: Wenn du ein Gemüse wärst, oder ein Obst. Was wärst du?
Hmmm… Ich wäre gerne ein Apfel.

Warum?
Ich brauche lange bis ich wachse, vorher muss zu mir eine Biene gekommen sein, als ich noch eine Blüte war. Ich hänge weit oben und kann alles was rund herum passiert von dort beobachten. Ich schmecke süß und kann auf vielerlei Art genutzt werden: Aus mir kann Saft gemacht werden, Apfelgelee, Apfelkompott, Apfelkuchen, Apfeltee sogar.

Danke Mina, für das schöne Gespräch!

stadtbauernhofpresse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.