Wie geht es den Bienen, Imka?

Wie geht es den Bienenvölkern auf dem Stadtbauernhof, Imka?

Von unseren sieben Völkern hat nur ein Volk den Winter überstanden.

Ihr hattet ja berichtet, dass durch den Sturm Sabine auch die Beuten beschädigt worden waren. War der Sturm die Ursache dafür, dass die Völker nicht überlebt haben?

Durch den Sturm wurde der Holzdeckel einer Beute davongeblasen. So konnte Regen eindringen, bevor wir den Deckel wiedergefunden hatten. Inwieweit das Volk dadurch zusätzlich geschwächt wurde, ob es also den Winter ohne den Sturm überstanden hätte oder nicht, können wir nicht sagen.

Was ist dann der Grund?

Im letzten Frühjahr gab es Spätfröste, zu einer Zeit als viele Bäume in voller Blüte standen. Der Sommer war dann sehr trocken. So konnten die Bienen weniger Wintervorräte sammeln, was wir auch bei der letzten Honigernte bemerkt haben. Der Winter wiederum war sehr mild. Dadurch denken die Bienen es sei Frühling und verbrauchen deutlich mehr Honig, da sie aktiver sind. Gleichzeitig versuchen sie auch ihre Brut bei plötzlichen Kälteeinbrüchen zu schützen. Auch dadurch verbrauchen sie mehr Energie und werden geschwächt. Wir haben letztes Jahr deutlich weniger Honig geschleudert, haben den Bienen also einen Anteil gelassen und zusätzlich mit Zuckerwasser gefüttert. Außerdem waren während des Winters und auch im Frühjahr die Beuten noch mit Futter bestückt. Die Bienen sind also nicht verhungert. Woran die Völker gestorben sind, wissen wir trotzdem nicht. Bienen sind ja insgesamt durch die Varroamilbe geschwächt; die Belastung war bei uns im letzten Herbst aber nicht so hoch. Ansonsten gibt es auch andere Tiere, die Bienen fressen oder ihnen schaden. Zum Beispiel haben wir vor kurzem ein Specht an einer Beute beobachtet. Es sieht aber nicht so aus, als wäre er erfolgreich gewesen.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben von dem einen Volk bereits einen Ableger gemacht. Außerdem haben wir am Donnerstag einen Schwarm eingefangen. Das war ein tolles Erlebnis und hat wohl auch gut geklappt. Das zeigt sich die nächsten Tagen. Wir schauen jetzt regelmäßig ob sich alle Völker gut entwickeln und neue Brut legen. Das ist das beste Zeichen für eine fitte Königin. Ob wir dieses Jahr Honig für die Solawi ernten können wissen wir noch nicht. Wir kümmern uns jetzt erstmal so gut es geht um die Bienen und sehen dann im Juli wo wir stehen. Wir halten erst seit wenigen Jahren Bienen, sehen aber, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird die Völker zu erhalten. Die Änderungen im Klima haben da einen großen Anteil dran und wir hoffen, dass trotz Corona bald deutliche Signale aus der Politik kommen um die Folgen des Klimawandels einzugrenzen. Ich verstehe nicht, warum der Ernst der Lage bei den meisten Menschen noch nicht angekommen ist.

Imka koordiniert die Arbeiten der Bienengruppe auf dem Bauernhof. Eine Gruppe von Mitmachern trifft sich regelmäßig auf dem Hof um sich um die Bienen zu kümmern. Dazu gehört zum Beispiel die Pflege der Beuten, die Behandlung gegen Varroamilben und die Honigernte.

stadtbauernhofpresse

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