Nistkasten für Mauerbienen – was tun für Insekten?

Der Nistkasten für Mauerbienen hat ein neues Zuhause am Hühnermobil gefunden. Am ursprünglichen Standort – dem Kirschbaum – war es auf Dauer zu feucht, was dazu führte, dass das Holz aufquoll und die Nistlöcher für die Bienen nicht mehr nutzbar war. Es besteht außerdem die Gefahr, dass die Bienen, die trotzdem ihre Eier dort ablegen, vermehrt von Schimmel und Parasiten geschädigt werden.

Der Nistkasten wurde uns, zusammen mit 40 Mauerbienenkokons (Gehörnte und Rote Mauerbiene), vor 3 Jahren von Katja gespendet, die ihn und seine Bewohner*innen seitdem auch pflegt.

„Im ersten Frühjahr schlüpften geschätzt 30 Mauerbienen. Im Jahr darauf waren es bereits 120 und dieses Jahr konnte ich 195 intakte Kokons zählen.“, erklärt Katja.

Nun ist die Pflege der Wildbienen tatsächlich ziemlich aufwendig: Im August werden die Kokons aus dem Nistkasten entfernt.. Von Parasiten befallenen Kokons werden aussortiert und der Nistkasten sorgfältig gereinigt. Die übrigen Kokons überwintern in Katjas Kühlschrank, bei Temperaturen unter 4°C. Im zeitigen Frühjahr werden die Kokons dann zurück in den Nistkasten gelegt, wo sie schlüpfen.

Die Mauerbienen schlüpfen schon recht zeitig, zuerst die Gehörnte Mauerbiene bereits ab Februar, die Rote Mauerbiene folgt etwa ab Anfang April. Rote und Gehörnte Mauerbiene schlüpfen und fliegen im Frühjahr also zeitiger als Honigbienen und Hummeln und fliegen schon bei niedrigeren Temperaturen. Das ist vor allem von Vorteil, wenn die Obstbäume bei kaltem Wetter blühen.

Die Mauerbienen sind nicht wählerisch, was ihre Nahrung und ihre Nistplätze angeht. Daher gehören sie auch nicht zu den gefährdeten Arten. Warum also der ganze Aufwand? Der Aufwand die Brut zu pflegen macht für uns Sinn, weil die Mauerbienen sehr effektive Bestäuber sind und wir so mit höheren Erträgen an unseren Obstbäumen rechnen können. Es gilt auch: Je häufiger eine Blüte angeflogen wird, desto größer sind die Früchte, die entstehen.2 Der Pflegeaufwand ist deutlich geringer als für unsere anderen Bestäuber – die Honigbienen. (Dafür erzeugen Wildbienen allerdings auch keine für uns nutzbaren Honigmengen.)

Nun sind Bienen nicht die einzigen Insekten, die Blüten anfliegen und dabei bestäuben. Schmetterlinge, Nachtfalter, Hummeln, Wespen, Käfer und Fliegen3 – einige davon auf wenige Pflanzen und/oder Lebensräume spezialisiert – leisten ebenfalls ihren unersetzlichen Beitrag. Um diese zu schützen ist es wichtig, dass Nistplätze und Blühpflanzen vorhanden sind.

Seitlich wuchs an einem der Hochbeete auf dem Geländes des Ulanenhofs beispielsweise letztes Jahr eine Zaunrübe. Eine Wilbienenart, die Zaunrüben-Sandbiene ist auf diese Pflanze angewiesen und nistet nur dort, wo auch die Zaunrübe wächst. Leider sind die Beeren der Zaunrübe auch giftig und wir mussten die Pflanze daher leider von dort entferen, wo viele Kinder spielen.

In städtischen wie in ländlichen Regionen gibt es weniger Insekten. Dabei gehen sowohl die Artenvielfalt als auch die Anzahl der Individuen der einzelnen Arten zurück. Gründe sind, wie oben schon erwähnt, zu wenig Nahrung und Nistplätze, vor allem in unmittelbarer Nähe zueinander. Hinzu kommen die Herausforderungen durch den Klimawandel,3 der zum Beispiel die Blüten früher blühen lässt als die Insekten schlüpfen – vor allem für stark speizialisierte Arten ein großes Problem.

Was also tun? Besser als einfach irgendeine Nisthilfe aus dem Baumarkt aufzuhängen ist es, im Garten oder auf dem Balkon für einheimische, blühende Pflanzen zu sorgen, die den Insekten viel Nektar und/oder Pollen bieten. Am Besten ist es, wenn zu jeder Jahreszeit etwas blüht. Räumt den Garten weniger auf, lasst die Wiese oder zumindest kleine Inseln länger stehen. Baut einen Holz- oder Aststapel an einer Stelle, wo er euch nicht stört. Verwendet keine Pestizide im Garten und räumt abgestorbene Pflanzen erst im Frühjahr von den Beeten (vor allem: Bitte nicht verbrennen!).

Christiane

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